Pflanzenschutz heute - ein System mit vielen Möglichkeiten
Unter Kontrolle
In unseren Breiten beschwören Heuschrecken keine Hungersnot mehr herauf. Aber andere Schädlinge, vor allem jedoch Unkräuter und Pflanzenkrankheiten sind noch immer unsere Nahrungskonkurrenten. Würden sie sich selbst überlassen, gäbe es wenig oder nichts zu ernten. Also versucht der Landwirt, sie unter Kontrolle zu halten. Durch Pflanzenschutz. Wer indessen bei Pflanzenschutz nur an Pflanzenschutzmittel denkt, denkt falsch. Ziel des Landwirts ist, natürliche Begrenzungsfaktoren zu nutzen und erst, wenn sie ohne Erfolg bleiben, biologische, mechanische oder chemische Mittel oder Verfahren anzuwenden. Dieses Konzept ist als Integrierter Pflanzenschutz schon seit langem für die Praxis ein feststehender Begriff.
Es beruht auf drei aufeinander folgenden Schritten:
- Vorbeugung
- Beachtung von Schadenswellen
- Bekämpfung
Frühzeitig vorbeugen
Schon vor dem Säen oder Anpflanzen trifft der Landwirt Vorsorge für seine Kulturen. Beispiel: Bodenbearbeitung, flach geeggt oder gefräst, wird das Stoppelfeld von Unkrautpflanzen mechanisch befreit und durch das Vermischen von Stoppeln und Erde die natürliche Zersetzung gefördert, die wiederum Schaderreger im Boden reduziert.
Richtschnur Schadensschwellen
Bei der Inspektion seiner Felder hat der Landwirt ein wachsames Auge auf mögliche Wiedersacher der Nutzpflanzen. Treten sie auf, wägt er sorgfälltig ab, ob eine Bekämpfung mehr kostet, als sie einbringt. Einen gewissen Schaden nimmt er in Kauf - bei Pflanzenentwicklung, Ernteertrag oder Produktqualität. Wird die Schadensschwelle jedoch überschritten, muß Pflanzenschutz die Gefahr empfindlicher wirtschaftlicher Einbußen abwenden.
Für etliche Früchte ist die Schadensschwelle bereits bekannt. Die Agrarforschung arbeitet an der Verfeinerung der Methoden. Bestimmte Pilzkrankheiten lassen sich nicht mehr bekämpfen, wenn der Befall schon sichtbar ist. Doch auch dann praktiziert der Landwirt nicht einfach "auf Verdacht" Pflanzenschutz, sondern erst nach eigener Erfahrung und nach Informationen der Warndienste, die ihre Prognosen aus zahlreichen Witterungsdaten und Feldbeobachtungen herleiten.
Direkte Bekämpfung
Der Landwirt verfügt hierbei über mehrere Möglichkeiten - biologische, mechanische, chemische. Einigen Schadenserregern ist biologisch, anderen mechanisch recht gut beizukommen. Ein großer Teil kann nur mit chemischen Mitteln oder in Kombination mit den anderen Verfahren zurückgedrängt werden. Mechanische Verfahren wurden vor allem gegen Unkräuter entwickelt. Ein Arsenal von Geräten steht dafür bereit. Die Kombination mechanischer und chemischer Maßnahmen verringert den Aufwand an Mitteln deutlich. Zugleich schätzt die Praxis den Doppelefekt "Unkrautreduzierung plus Bodenlockerung". Am chemischen Pflanzenschutz führt kein Weg vorbei, wenn anbautechnische Methoden nur unzureichend Schutz bieten und Erfolg nur durch gezielte Verwendung von Mitteln gewährleistet ist. Da der Landwirt seine Kulturen regelmäßig beobachtet, erkennt er die unterschiedlichen Krankheiten und Unkräuter schon in einem frühen Stadium.Dann sind sie gegenüber Pflanzenschutzmitteln sehr empfindlich und können mit erheblich niedriegerem Aufwandmengen als zu einem späteren Zeitpunkt in Schach gehalten werden. Das entlastet nicht nur die Umwelt, sondern bringt dem Landwirt auch finanzielle Vorteile.



