Landwirtschaft ist Zukunft
Bis zum Herbst 2011 will das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) eine Charta für Landwirtschaft und Verbraucher entwickeln. In einer Reihe von vier Workshops wird dabei eine Diskussion mit verschiedenen Vertretern gesellschaftlicher Kreise geführt. Die Ergebnisse dieser Diskussionen werden durch das BMELV zusammengeführt. Im Rahmen einer Abschlussveranstaltung am 25. Oktober 2011 wird ein Grundlagenpapier entwickelt, das Konfliktlinien identifiziert und Handlungsfelder zusammenfasst. Aus diesem Papier entsteht die Charta, welche Handlungsfelder und Lösungswege für eine zukunftsorientierte Politik für die gesamte Lebensmittelkette beschreiben soll.
In diesem Zusammenhang bietet die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft ihre Zusammenarbeit an. Das folgende Positionspapier mit dem Titel "Landwirtschaft ist Zukunft" stellt ein erstes Ergebnis der Überlegungen des Beirates im Bezug auf die Diskussion um eine Charta für Landwirtschaft und Verbraucher dar.
Position des Beirats der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft e.V. (FNL)
Landwirtschaft ist Zukunft
Präambel
Bevölkerungswachstum, Klimawandel, Erhaltung der Biodiversität, Änderung der Ernährungsgewohnheiten – insbesondere in den Schwellenländern – und nachhaltige Energieversorgung stellen globale Herausforderungen dar. Um ihnen erfolgreich zu begegnen, muss das erzielbare Biomassepotenzial der Landwirtschaft in Deutschland, Europa und weltweit deutlich besser ausgeschöpft werden. Dies kann nur mit einer effizienten und verantwortlichen Nutzung der Umweltgüter Boden, Wasser und Luft sowie der menschlichen Arbeitskraft gelingen.
Aus einer Vielzahl von Gründen gelingt dies derzeit jedoch noch zu wenig. Dazu zählen je nach Region unzureichend ausgebildete Landwirte, immer noch zu hohe Vor- und Nachernteverluste, zu geringe Investitionen in die Agrarforschung oder fehlende Akzeptanz und Nutzung des biologisch-technischen Fortschritts, d.h. etwa Nutzpflanzen mit besonderen Eigenschaften wie z.B. Trockenheitstoleranz. Hinzu kommen gravierende Missstände hinsichtlich Verteilungsgerechtigkeit und guter Regierungsführung insbesondere in Ländern der Dritten Welt.
Vor diesem Hintergrund stehen Deutschland und Mitteleuropa in der Verantwortung, ihre klimatischen Gunststandorte und ihre Innovationsstärke zu nutzen. Der Beirat der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) vertritt deshalb folgende Position als Beitrag zu der gesellschaftlichen Debatte über die nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft:
„Landwirtschaft ist Zukunft“
- Wachstum und Ernährung: Die Landwirtschaft der Zukunft muss eine signifikante Steigerung der qualitativ hochwertigen Biomasseproduktion sichern, um die wachsenden multifunktionalen Ansprüche erfüllen zu können. Die Forschung zur Förderung von Produktivität und Effizienz darf nicht länger vernachlässigt werden. Dabei ist das Primat der Lebensmittelproduktion vor der Erzeugung energetischer und stofflicher Ressourcen zu berücksichtigen. Nährstoffkreisläufe sind soweit geboten zu optimieren.
- Nachhaltigkeit: Die Entwicklung der Betriebe muss auf effiziente, innovative Technologien ausgerichtet sein. Sie muss in ausgewogener Balance mit den Anforderungen zum Erhalt der Umweltressourcen und den gesellschaftlichen Ansprüchen erfolgen. Der ganzheitliche Ansatz der Integrierten Landwirtschaft ist ein geeignetes Leitbild, um trotz naturräumlicher, sozialer und wirtschaftlicher Unterschiede eine flächendeckende, produktive Landbewirtschaftung zu ermöglichen.
Wissenschaftlich solide Folgeabschätzungen sowie Systeme zur stufenübergreifenden Qualitätssicherung und Nachhaltigkeitsbewertung müssen verstärkt entwickelt und umgesetzt werden. - Struktur: Leitbild ist eine Landwirtschaft, in der unterschiedliche Betriebstypen und -größen Platz finden, wodurch die regionale Vielfalt dynamisch abgebildet wird. Eine romantisierende Einteilung in „gute“ (kleinbäuerliche oder ökologische) und „schlechte“ (großbetriebliche oder konventionelle) Landwirtschaft ist nicht zielführend. Kompetenzen, Fähigkeiten und Spezialisierung der Betriebsleiter werden als Chance und Voraussetzung erkannt, um die Betriebe weiter entwickeln zu können.
- Innovation: Produktivitätssteigerungen auf der einen und Schonung des Naturhaushalts auf der anderen Seite gelten oft als klassischer Zielkonflikt. Nur moderne Produktionssysteme des Pflanzenbaus und der verantwortungsvollen Nutztierhaltung erlauben es, diesen Zielkonflikt aufzulösen. Dazu ist die konsequente Anwendung der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Landtechnik, Pflanzenernährung
und -schutz, Tier- und Pflanzenzüchtung einschließlich biotechnologischer
Verfahren sowie aus Tierernährung und -gesundheit erforderlich. - Honorierung gesellschaftlicher Leistungen: Die europäische und deutsche Landwirtschaft der Zukunft ist marktorientiert und wettbewerbsfähig. Die gesellschaftlichen – hier vor allem ökologischen – Leistungen der Landwirtschaft werden von der Gesellschaft anerkannt und honoriert.
- Akzeptanz durch Transparenz: Die aus der heutigen Arbeitsteilung resultierende Entfremdung der Konsumenten von der landwirtschaftlichen Produktion beeinträchtigt die Akzeptanz von modernen Verfahren im Ackerbau und im Besonderen bei der Nutztierhaltung. Die Vermittlung sachlicher Information im Dialog und die Möglichkeit, Zusammenhänge durch eigene Erfahrungen auf Betrieben buchstäblich „begreifen“ zu können, erfordert eine Branchen-übergreifende Öffentlichkeitsarbeit mit völliger Transparenz der Produktions- und Verarbeitungsprozesse.
Die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) als etablierte und gut vernetzte Plattform bietet ihre umfassende Kooperation an, um die vielfältigen Einzelaktivitäten der landwirtschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit zusammenzuführen und so zu dem Aufbau von Akzeptanz für die Landwirtschaft der Zukunft beizutragen.
Das Positionspapier zum Download
Das Positionspapier "Landwirtschaft ist Zukunft" finden Sie auch hier zum Download.
Der Beirat der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft e.V. (Stand Oktober 2011)
Dr. Dr. h.c. Gerhard Greif
Vorsitzender
Tierärztliche Hochschule Hannover
Prof. Dr. Georg Friedrich Backhaus
Julius Kühn-Institut (JKI) – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Quedlinburg
Prof. Dr. Dr. h.c. Friedrich Berschauer
Bergisch Gladbach
Prof. Dr. Reiner Brunsch
Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V.
Prof. Dr. Olaf Christen
Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg
Paul Daum
Kaiser’s Tengelmann AG
München
Prof. Dr. Detlev Ganten
Stiftungsrat der Charité
Berlin
Prof. Dr. Dr. h.c. Jörg Hartung
Tierärztliche Hochschule
Hannover
Anton Krömer
GS agri
Friedrich Mayer
Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
MünchenSchneiderkrug
Dr. Gerhard Prante
Hofheim
Prof. Dr. Hermann Schlagheck
Swisttal-Heimerzheim
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Michael Schmitz
Justus-Liebig-Universität
Gießen
Hugo Schweers
AGRAVIS Raiffeisen AG
Hannover
Dr. Claus Voigt
Pretzschendorf OT Klingenberg
Prof. Dr. Hubert Wiggering
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.
Müncheberg
Dr. Ludger Wilstacke
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Düsseldorf
Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel
Bundesinstitut für Risikobewertung
Berlin
(ständiger Gast)




