Moderner Rapsanbau aus Sicht einer LandRätin
Unser landwirtschaftlicher Betrieb mit 600ha Ackerland, die Volquardsen GbR, wird im Team von mir und Gerhard Volquardsen bewirtschaftet. Unser Sohn Momme, der sich zurzeit im Agrar-Studium in Rendsburg befindet, wird demnächst der dritte Partner werden. Wir haben zwei feste Mitarbeiter, regelmäßig Auszubildende sowie nach Bedarf Saisonarbeitskräfte.
In diesem Jahr bauen wir 150 ha Winterraps an, der im Durchschnitt der letzten Jahre einen Ertrag von 4,5 - 5 to/ha erbracht hat.
Unser Stammbetrieb liegt im Sönke-Nissen-Koog, im Herzen Nordfrieslands, S-H, 700 m vom Außendeich zur Nordseeküste entfernt.
Wir bewirtschaften überwiegend junge Marschböden, so dass die Bodenqualitäten überwiegend hoch sind. Die jährlichen Niederschläge betragen rund 800 mm, das reicht für gute Erträge aus. Wegen des kühlen maritimen Klimas beginnt die Ernte im Sommer später als in den meisten deutschen Anbaugebieten und im Herbst schließen wir möglichst alle Bestellarbeiten bis Anfang/Mitte Oktober ab, weil die Böden später oft zu nass und nicht mehr befahrbar sind.
Auch wir wollen die CO² Ersparnis fördern und nutzen für unsere Trecker teilweise Biodiesel aus Rapsöl, sofern die Besteuerung nicht zu hoch ist. Da die Wartung bei dessen Nutzung höher im Vergleich zum Diesel ist, beachten wir ebenfalls den wirtschaftlichen Aspekt.
Für den Naturhaushalt ist Raps eine wichtige Frucht. Die positiven fruchtfolgewirksamen Effekte beruhen auf unterschiedlichen Faktoren.
Rapsanbau fördert die Struktur und biologische Aktivität des Bodens aufgrund intensiver Pfahldurchwurzelung. Der Boden wird gut durchlüftet, das Wasser läuft von der Oberfläche ab und es entsteht Kapillarwirkung. Diese ist auf unseren Böden äußerst wichtig, da Marschboden von Natur aus verdichtet und nass ist. Die Kosten für Bodenbearbeitung sind geringer als bei anderen Früchten, weil wir vor der Aussaat nicht pflügen.
Weil bis auf die Rapssamen alles (etwa 140-170 dt/ha an Wurzeln, Stroh, Schoten) auf dem Feld verbleibt, dient Raps der Humusbildung. Diese organische Nährstoffquelle fördert die mikrobielle Aktivität, dient als Kaliquelle und bindet Stickstoff. Das kommt der Folgekultur zugute. Diese Nährstoffe müssen wir nicht zusätzlich zufügen.
Problem-Gräser unserer Region, wie Ackerfuchsschwanz, sind im Raps gut kontrollierbar. Dadurch konnten wir den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf unserem Betrieb verringern. Wir spritzen bienengefährliche Mittel möglichst morgens oder abends, also außerhalb des Bienenfluges.
Weil wir den Raps vor dem Weizen ernten, können wir die Arbeitsspitzen etwas entzerren, die Maschinen können rentabler ausgenutzt werden. Ist die Ernte allerdings durch kühles Wetter spät im Jahr, kollidiert die Weizenernte oft mit dem Aussaattermin für Raps ab Mitte August. Wir benötigen in dieser arbeitsreichen Zeit Mietschlepper und mehr Arbeitskräfte.
Moderne Technik unterstützt unsere landwirtschaftliche Produktion, Neuerungen und Innovationen stehen wir offen entgegen. Automatische Lenksysteme, GPS gesteuert, erleichtern nicht nur die Arbeit, sondern haben auch einen sehr großen ökonomischen Aspekt.
Der Rapsanbau ist aus Schleswig-Holstein nicht wegzudenken. So kommen zurzeit der Rapsblüte ab Anfang Mai viele Touristen und Naturliebhaber in den Norden, um dieses Naturschauspiel zu erleben. Sie erleben Landwirtschaft mit anderen Sinnen - umgeben vom betörend süßen Duft der Blüten - ein einmaliger Naturgenuss. Die Rapsblüte ist für mich immer noch eine der schönsten Kindheitserinnerungen vom elterlichen Hof. Das satte Gelb der Rapsblüte bietet einen farbigen Kontrast zu dem vom Wind zersausten Grün der Natur und dem klaren Blau des Himmels.
Einerseits trägt Raps zu unserer schönen Kulturlandschaft bei, andererseits zu unserem täglichen Brot bzw. Öl. Auch dadurch erreichen wir die Akzeptanz des Verbrauchers. Wir möchten jederzeit offen darlegen, dass wir unsere Produkte nachhaltig, bewusst und sicher produzieren, wollen ein Vertrauensverhältnis fördern. Auf unserem Betrieb werden alle Umweltstandards eingehalten und kontrolliert. Im Sinne der Wettbewerbsgleichheit wünsche ich mir das auch für die übrigen Rapsanbauregionen im Ausland, weil wir alle auf einem Markt miteinander konkurrieren.





